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– Fünf Klangarbeiten mit O-Tönen aus dem akustischen Nachlass von Albert Mangelsdorff

Albert Mangelsdorff (1928–2005) gehört zu den prägendsten und international bekanntesten Stimmen der deutschen Jazzgeschichte. Geboren in Frankfurt und aufgewachsen in der Ernst-May-Siedlung in Praunheim, stieg er nach Kriegsende zum künstlerischen Mittelpunkt der Frankfurter Jazzszene auf und fand durch seinen hochvirtuosen Instrumentalstil globale Anerkennung – von Polen über Frankreich bis hin zum Newport Jazzfestival in den USA. Seiner Heimatstadt blieb er dennoch stets eng verbunden. 

Die in der Mediathek versammelten Arbeiten setzen an unterschiedlichen Aspekten seiner Klangwelt an: an Mehrklängen und Obertonschichtungen, an Multiphonics, Atem und Geräusch sowie an der Übertragung des instrumentalen Spiels in elektroakustische und generative Verfahren. Gemeinsam ist ihnen die Frage, wie Mangelsdorffs klangsprachliche Impulse 20 Jahre nach seinem Tod transformiert und in neue akustische Zusammenhänge überführt werden können. 

Die Klangarbeiten

Interferenzen – Uwe Dierksen

29:14 Minuten | 2025 · Elektroakustische Komposition

Uwe Dierksen beschreibt Mangelsdorffs Mehrklänge, Obertonschichtungen und Interferenztöne als einen Klangraum, durch den der Musiker improvisierend wandert. „Interferenzen“ knüpft an diese Vorstellung an und setzt sich mit den klanglichen Räumen auseinander, die aus der Überlagerung von Tönen und Obertönen entstehen. Die Arbeit entstand als Memento-Mangelsdorff-Uraufführung (unter anderem präsentiert im Rahmen der Klanginstallationen in der KunstKulturKirche Allerheiligen). 

Vogel-Zug – Alper Maral

38:22 Minuten | 2025 · Elektroakustische Komposition

Alper Maral verbindet seine persönliche Begegnung mit Mangelsdorffs Musik mit seiner eigenen künstlerischen Arbeit als Komponist und Bassposaunist. Besonders Mangelsdorffs Multiphonics – für Maral ein Prinzip, das Vertrautes anders klingen lässt – wurden zu einem wichtigen Impuls. „Vogel-Zug“ greift diese Auseinandersetzung auf und verbindet Klang- und Wortgedanken zu einer vielschichtigen, Mangelsdorff gewidmeten Arbeit, die auch Natur- und Vogelaufnahmen aus Mangelsdorffs Schaffen reflektiert. 

Bone-Breath-Noise – Vollmar + Seipel Soubrier

8:30 Minuten | 2025 · Elektroakustische Komposition

„Bone-Breath-Noise“ versteht sich als Weiterführung von Mangelsdorffs Klangsprache und Spieltechnik in einem digitalen Kontext. Aus Klangpartikeln entstehen Verdichtungen und Auflösungen, die durch digitale Filter und Effekte transformiert werden. Die Solo-Posaune bleibt dabei als Klangursprung und Resonanzraum präsent. MIDI-Controller übertragen die körperliche Dimension des Spiels in die digitale Sphäre; digitale Verfahren erweitern das Klangspektrum als elektronische Entsprechung zu Mangelsdorffs klanglicher Mehrstimmigkeit und seinen Multiphonics. 

Hin und Zurück – Harin Choi

8:50 Minuten | Elektroakustische Komposition

Die Komposition basiert auf historischem Quellenmaterial aus dem Mangelsdorff-Archiv im Institut für Stadtgeschichte: Trombone-Soli, Atemgeräuschen sowie Vogel- und Naturklängen (beispielsweise aus dem heimischen Anlagenring). Kurze und lange Fragmente werden als sfz-Presets aufbereitet und in einer Lisp-Umgebung generativ verarbeitet. Atem-Sounds entwickeln sich zu rauschhaften Phrasen, kurze Segmente zu pointillistischen Texturen. Transformierte Multiphonics und Tongue-Slaps bilden ein vielschichtiges Geräuschspektrum, während Vogelklänge als flüchtige Gesten erscheinen. Die drei Abschnitte gehen ohne Unterbrechung ineinander über; das offene Ende bleibt zwischen Andeutung und Auflösung. 

aaur fcro afacurro – Bruno Bolz

10:03 Minuten | 2025 · 10-minütige elektroakustische Komposition für fixed media 

Die Arbeit entstand im Rahmen des Open-Call-Kompositionswettbewerbs „Albert_25“ der Frankfurter Gesellschaft für Neue Musik (FGNM) in Kooperation mit dem Kulturamt Frankfurt im Spätsommer 2025. Sie setzt sich mit Werk und Leben Albert Mangelsdorffs auseinander und verbindet Elemente des Jazz und der Kunstmusik des 20. Jahrhunderts, insbesondere der elektroakustischen Musik. Ausgangspunkt ist zudem das Prinzip, dass aus der Verbindung von zwei oder mehr Dingen etwas Drittes entsteht – ein Gedanke, der eng mit Mangelsdorffs Multiphonics verbunden ist. 

Ein Projekt des DIALOGMUSEUM, Hannes Seidl und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt im Rahmen der Clubnacht des Deutschen Jazzfestivals.