SOUND OF READING. BRAILLE

World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 

Eine Installation für Augen, Ohren und Hände / An installation for eyes, ears and hands. 

Von Isabel Naegele und Klara Kletzka  

Auf dieser Seite findest du Informationen zum Aufbau des Raums und was dort zu sehen ist.

Von dem Eingang des Museums führt eine Bodenleitlinie in die Mitte des Foyers. Die rechte Abzweigung führt zu zwei Räumen, im rechten Raum findest du die Installation SOUND OF READING. BRAILLE.

An der geöffneten Tür befindet sich ein Plakat mit schwarzem Hintergrund und weißer Schrift: SOUND OF READING. / Eine Installation für Augen, Ohren und Hände / An installation for eyes, ears and hands. 
Am linken Plakatrand steht horizontal: Eine Installation von Isabel Naegele und Klara Kletzka.
Am rechten Plakatrand befinden sich in weiß die Logos der Kooperationspartner*innen horizontal von unten nach oben: DIALOGMUSEUM Frankfurt, Hochschule Mainz, Designlabor Gutenberg, Dialog im Dunkeln – Verein zur Förderung der Sozialen Kreativität Frankfurt e.V., World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026, Land Hessen, Stadt Frankfurt am Main, Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
In der Mitte des Plakats befindet sich ein großer weißer Kreis. Darüber weitere kleine weiße Kreise die Brailleschriftzeichen formen.

Öffne den Vorhang im Türrahmen und gehe nur einen Schritt hindurch, denn ungefähr einen Meter vor dir ist ein weiterer Vorhang aufgebaut. Gehe nicht durch den zweiten Vorhang, dieser dient ausschließlich zur Raumteilung. Ein kleines Licht erleuchtet vor dir ein Plakate mit weißer Schrift auf schwarzem Grund mit einer Anweisung zu der Installation. Links von dir befindet sich an der Wand ein weiteres Plakat mit schwarzer Schrift auf weißem Grund mit Informationen zur Braille Schrift.

Beginne mit dem Infotext links von dir an der Wand.
Infotext zur Braille Schrift

Das Braille-Schriftsystem setzt sich erst 1854, zwei Jahre nach Louis Brailles Tod in Frankreich und nach zähem Ringen und vielen Konferenzen weltweit als das internationale Schriftsystem für Blinde durch. Louis Braille revolutioniert mit seiner Erfindung nicht nur das Bildungsniveau blinder Menschen, sondern  ermöglicht auch ihre autonome Kommunikation. Die Übertragung der Brailleschrift in Sprachen mit lateinischen Schriftzeichen, wie Französisch oder Englisch, ist einfach nachzuvollziehen. Verblüffender ist schon die Vorstellung, dass eine Sprache wie Japanisch in Braille umgeschrieben werden kann. Bereits in den 1920er Jahren entstehen in Indien verschiedene phonetische Systeme, um die vielen Sprachen Indiens in Braille zu übertragen. 

Die UNESCO, die am Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet wurde, um eine Kultur des Friedens und der moralischen Solidarität der Menschheit zu fördern, erkennt 1950, wie die Blindenschrift die Alphabetisierung und Teilhabe blinder Menschen fördern kann. Die Vision eines einheitlichen Punktschriftsystems findet aber erst 1987 weltweit Anhänger. 1988 wird durch das neu gegründete World Braille Council ein einheitliches System und standardisiertes Verfahren entwickelt, um viele Sprachen der Welt in Braille zu transkribieren. 

Nicht alle Blinde und Sehbehinderte können fließend Braille lesen und schreiben. Die neuen Medien Voice Over und Audio-Wiedergabe verdrängen heute mehr und mehr das Schriftsystem Louis Brailles. Für viele bleibt es dennoch der Schlüssel zum haptischen Erlebnis Buch, der Schlüssel zur Schrift und damit zu selbstbestimmtem textlichen Ausdruck. Es bleibt mit seiner ganz eigenen Ästhetik Ausdruck blinder Kultur

Im März 2020, mitten in der Covid 19-Pandemie, wurde die Brailleschrift von der UNESCO-Kommission als Kulturgut der Behindertenselbsthilfe anerkannt und als Immaterielles Weltkulturerbe in die Liste aufgenommen.

Unter dem Plakat ist eine schmale Ablage angebracht. Darauf stehen Ausstellungskataloge in Deutsch und Leichter Sprache der Ausstellung A TOUCH OF TYPE. Von der Geheimschrift zum Code.

Am Vorhang, gegenüber der Tür befindet sich der Anweisungstext.
Anweisung zur Installation

Nimm dir Zeit und suchʼ dir einen Platz. Lassʼ den Lärm der Hauptwache hinter dir. Schaue Petty beim Lesen zu. Was siehst du? Und vor allem, was hörst du? Welches Geräusch macht eine Buchseite? Wie klingt ein Text, wenn man ihn mit den Fingern fühlt und liest? Kannst du hören, was gelesen wird?  

So gelangst du weiter durch den Raum:

Taste dich an der rechten Wand entlang bis zum Ende. Links von dir sind Sitzbänke und ein paar Kissen auf dem Boden aufgebaut. Nimm dort gerne Platz.

Vor dir sind zwei Leinwände aufgebaut, sie sind fast so hoch wie die Decke und zeigen jeweils den gleichen Film (Beschreibung folgt).

Setze dich und lausche dem Film, entspanne für einen Moment oder lasse dich davon inspirieren.

Beschreibung des films

Der schwarz-weiß Film heißt SOUND OF READING. BRAILLE.
Er zeigt, wie man die Braille-Schrift mit den Fingern liest.

Das Video wird auf zwei Leinwänden gezeigt.
Man sieht ganz nah die Finger von Petty Waagö, wie sie über die Punkte von einem großen Buch fühlen. Ihre Nägel sind schwarz lackiert.
So kann man beobachten, wie das Lesen funktioniert.

Man hört die Geräusche, die beim Lesen entstehen.
Zum Beispiel: das Aufschlagen des Buches, das Tasten, das Lesen und das Umblättern.
Diese Geräusche machen das Erlebnis besonders.

Die Installation entgegnet einer visuellen Überreizung, bietet Platz zum Verweilen, zum kontemplativen Hören, zur Entspannung und lädt zum Nachdenken über Fragen der Wahrnehmung ein. Sie ist eine Hommage an das binäre Braille-Schriftsystem, elementarer Bestandteil blinder Kultur und es hat blinden Menschen weltweit Bildung und Teilhabe vermittelt. 
So gelangst du wieder nach draußen:

Stehe auf und orientiere dich an den Bänken entlang nach links, bis du nach ca. 2 Metern wieder eine Wand erreichst. Orientiere dich mit deiner linken Hand an der Wand entlang bis du zurück zum Eingang/Ausgang kommst.

An der Eingangstür findest du dann nochmal das Impressum der Installation:

Impressum

Geschäftsführung DIALOGMUSEUM: Maureen Ekizoglu 
Braille Lesende DIALOGMUSEUM: Anne Petrine Waagö 
Technik DIALOGMUSEUM: Lucas Hainz 
Projektassistenz DIALOGMUSEUM: Lizzy Jäkel 

Konzept & Design: Isabel Naegele, Hochschule Mainz 
Projekt-Management: Klara Kletzka, Dialog im Dunkeln e.V. 
Realisation Media Installation: MESO digital interiors 
Max Wolf, Johannes Bietz, Cornel Brand, Kilian Pfifferling 
Video & Audio Recording: Constantin Urban 
Animationen: Saehyeen Shin 
Werkstatt Druck & Papier: Marco Moll, Hochschule Mainz 
Tutorin: Lara Baltes 

Special thanks to: Andreas & Max Benjamin Spamer 

Ein Kooperationsprojekt des DIALOGMUSEUM Frankfurt, des Instituts Designlabor Gutenberg/Hochschule Mainz und DIALOG IM DUNKELN —Verein zur Förderung der Sozialen Kreativität Frankfurt e.V. im Rahmen der WDC 2026. WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.