MUSEUMSGESCHICHTE

Eingang DialogMuseum

Eingang DialogMuseum

Seit Dezember 2005 ist Frankfurt am Main um ein ungewöhnliches Museum reicher: das DialogMuseum.

Ungewöhnlich, weil die Ausstellungsangebote ausschließlich menschliche und soziale Themen in den Mittelpunkt stellen.

Ungewöhnlich, weil die Botschafter des Museums blinde und behinderte Menschen sind.Ungewöhnlich, weil das Integrationsunternehmen soziale Verantwortung mit wirtschaftlichem Handeln modellhaft verbindet.
Die Idee dieses Unternehmens folgt der Einsicht, dass der Mensch durch Begegnung lernt. Es folgt der Erfahrung, dass es an Plattformen zur Begegnung fehlt, wo wir respektvoll voneinander lernen können. Das DialogMuseum will diese Plattformen schaffen und damit gleichzeitig Arbeitsplätze für behinderte und benachteiligte Menschen. Es will Dialoge zwischen Menschen mit und ohne Behinderung anregen. Es will überraschen, es will berühren, es will nachhaltig wirken, unverkrampft und spielerisch.
Die Entstehung des DialogMuseums ist eng mit der Geschichte und Entwicklung der Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ verknüpft.

Einweisung in "Dialog im Dunkeln"

Einweisung in „Dialog im Dunkeln“

„Dialog im Dunkeln“ basiert auf einer denkbar einfachen Idee, welche 1988 von Prof. Dr. Andreas Heinecke im Rahmen seiner Tätigkeit für die Stiftung Blindenanstalt Frankfurt entwickelt wurde. Eine Ausstellung in völliger Dunkelheit wird mit Düften, Tönen, Texturen und authentischen Requisiten als ein Park, eine Stadt oder eine Bar gestaltet. Kurz: Alltagssituationen ohne visuelle Komponenten.

Die Folge: Völlig vernachlässigte Wahrnehmungen werden wach, die Sinne werden geschärft, kaum beachtete Informationen komponieren eine nichtvisuelle Landkarte und befeuern die Phantasie der Besucher, die in kleinen Gruppen von einem blinden Begleiter durch das dunkle Universum geführt werden. Ein Rollentausch setzt ein: im Dunkeln sind blinde Menschen die Experten und begegnen den Besuchern auf Augenhöhe. Behindert sind die sehenden Besucher, müssen Vertrauen zu einem wildfremden Menschen fassen. In dieser Welt jenseits des schönen Scheins verlieren Alter, Geschlecht, Herkunft oder Hautfarbe ihre Bedeutung. Nur wer spricht, ist existent. Wer schweigt, verliert seine Kontur im undurchdringlichen Dunkel. Ein Dialog wird angestoßen, ein Austausch angeregt. Bald schon weicht Vertrauen der anfänglichen Angst und Mitleid verwandelt sich in Respekt. Dieser Perspektivenwechsel funktioniert weltweit und die Erfahrung wirkt – wie wir heute wissen – nachhaltig: Behinderte Menschen werden anders wahrgenommen und vorurteilsfreier bewertet. Nicht länger die Defizite, sondern die Potenziale zählen. „Dialog im Dunkeln“ ist ein Ort des sozialen Lernens, ein Beitrag zu mehr Respekt und Toleranz im Umgang mit Minderheiten. Heute ist „Dialog im Dunkeln“ ein international erfolgreiches Ausstellungskonzept. Das Konzept des DialogMuseums in Frankfurt geht mit der Ausstellung Dialog im Dunkeln noch einen Schritt weiter und betritt absolutes Neuland – sowohl konzeptionell als auch institutionell. Es ist ein privates soziales Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, insbesondere schwer behinderten Menschen eine Chance zu geben. Es erfüllt damit den Status eines Integrationsbetriebes. Das Startkapital für die Investitionen ermöglichte das Integrationsamt des LWV Hessen aus Mitteln der Ausgleichsabgabe unterstützt von der BonVenture Group München und dem Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen e.V. Im Betrieb muss und will das ambitionierte Unternehmen beweisen, dass sich die Idee auch finanziell trägt.
Klara Kletzka

                                                                                            

> pdf download Unternehmenskonzept_DialogMuseum_

> zu Dialog im Dunkeln international

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